Stadt der Wissenschaft 2011
Kai 9. September 2009
Die Stadt Chemnitz möchte gerne den Titel “Stadt der Wissenschaft 2011″ nach Chemnitz holen und hat sich dafür, in Zusammenarbeit mit der TU Chemnitz, ein paar Dinge ausgedacht.
Unter anderem sieht das Konzept eine Verlegung der Uni-Bibliothek in das Gebäude der alten Aktienspinnerei vor. In diesem befand sich bis vor ein paar Jahren die Stadtbibliothek. Ziel der Verlegung ist eine Belebung der Chemnitzer Innenstadt durch die Studenten. Wie groß der Unfug ist, der da geplant ist und wie Schizophren das Verhalten der Chemnitzer Stadtverwaltung ist, wenn es um die Belebung der Innenstadt geht, beschreibt der Studentenrat in seiner Pressemiteilung zu dem Thema.
Dabei bezieht sich der Stura hauptsächlich auf Veranstaltungen der Studierendenschaft und wie es ihr immer wieder schwer gemacht wird, wenn es um Veranstaltungen im Freien geht. Dabei sind das nicht die einzigen Beispiele wie die Stadt immer wieder erfolgreich verhindert, dass die Innenstadt sich mit Leben füllt. Man schaue bloß in die neue Polizeiverordnung, die es zum Beispiel verbietet:
sich wiederkehrend an denselben Orten regelmäßig zu versammeln und dabei Passanten
bei der Nutzung der öffentlichen Straße im Rahmen des Gemeingebrauchs behindern
oder
sich ausschließlich oder überwiegend zum Zwecke des Alkohol- oder
Rauschmittelkonsums in Gruppen von mehr als zwei Personen niederzulassen, wenn durch
alkohol- oder rauschmittelbedingtes, unkontrolliertes, insbesondere aggressives Verhalten
(Belästigung von Passanten, Grölen, Gefährdung anderer durch herumliegende Flaschen
oder Gläser, Verunreinigungen) andere an der Nutzung der öffentlichen Straßen, des
Weges, des Platzes gehindert oder von der Nutzung abgehalten werden
Durch solche butterweichen Paragraphen, gibt man jedem Polizisten den Freischein, jeden der ihm gerade unliebsam vorkommt, einen Platzverweis zu erteilen.
Und damit ist die Liste noch nicht zu Ende. Ebenso unverständlich ist diese Posse die, die Anwohner der Innenstadtbezirke aufführen. Natürlich ist daran nicht immer die Politik, sondern eben auch die Chemnitzer Bevölkerung Schuld. Ich bin ja der Meinung das, wer mitten in der Stadt wohnt, mit gelegentlichem Lärm von Veranstaltungen rechnen und leben muss und ansonsten doch bitte umziehen sollte. Es kann doch nicht sein, dass einzelne Personen es schaffen, die komplette Innenstadt in ein überdimensionales Altersheim zu verwandeln. Politik und Verwaltung müssen da einen Riegel vorschieben und dürfen sich nicht ständig von alten Meckerpötten auf der Nase herumtanzen lassen.
Nur wenn das gelingt, belebt man auch die Innenstadt. Und dann braucht man keine nutzlose Bibliothek, die weit ab vom zentralen Campusgelände gebaut wird und zu nichts weiter verursacht, als noch mehr verstopfte Busse, die dann die Studierenden durch die Innenstadt fahren. Das ist keine Belebung. Das steigert den Frust der jungen Leute in Chemnitz, bloß noch mehr.
Und wenn Herr Matthes auf der letzten Sitzung des Senates jetzt zurück rudert und behauptet, dass die Verlegung der Bibliothek getrennt vom Antrag zu betrachten sei, dann frage ich mich, warum denn genau dieses Konzept auf der Auftaktveranstaltung als Hauptidee präsentiert wurde. Außerdem macht es den Vorschlag ja kein bisschen besser.
Wenn Chemnitz Stadt der Wissenschaft werden will, wird sie das ohne die Studierenden nicht schaffen. Darüber sollten Frau Ludwig und Herr Matthes einmal nachdenken. Solche sinnlosen Projekte, die über die Köpfe der Studierenden hinweg geplant werden, führen garantiert nicht dazu, dass sich die Studierendenschaft mit dem Projekt identifiziert und daran mitwirkt.
Aber ohne uns wird es nicht gehen. Die Stadt wird für den Antrag Projekte brauchen die von Studierenden getragen werden. Das hat man auch, auf der komplett Ideenlosen Auftaktveranstaltung gemerkt, wo selbst Herr Matthes, immerhin einer der Hauptköpfe hinter dem Antrag, gesagt hat, dass er keine Ahnung habe wie das genau ablaufen soll und womit Chemnitz sich eigentlich, gegenüber den Mitbewerbern hervorheben möchte. Die ganze Veranstaltung wurde von alternden Herren dominiert, die zwar lange und ausführlich über die Vergangenheit von Chemnitz und ihren glorreichen eigenen Taten als Unternehmer gesprochen haben, aber keinerlei Visionen für die Zukunft oder für den Chemnitzer Antrag auf den “Stadt der Wissenschaft”-Titel, vorbringen konnten. Diese Konzeptlosigkeit könnte natürlich die Erklärung dafür sein, dass man so sinnlose Ideen wie die Verlegung der Uni-Bibliothek vorbringen musste. Ansonsten hätte man vermutlich mich komplett leeren Händen dagestanden.
Ich bin nicht gegen eine Bewerbung um den Titel “Stadt der Wissenschaft”. Im Gegenteil, ich finde die Idee prima. Chemnitz braucht gute Presse und hat durchaus das Potential in so einem Wettbewerb zu gewinnen. Aber eben nicht, wenn man versucht die Chemnitzer Studierenden zu Instrumentalisieren, sondern dann, wenn Stadtverwaltung und Universität in Zusammenarbeit mit den Studierenden, gute Projekte für das Jahr 2011 planen und Umsetzen. Die auf der Auftaktveranstaltung vorgebrachte Idee, ein Gebäude der Innenstadt in ein Blinkenlights Projekt zu verwandeln, ist da mit Sicherheit nur der Anfang der guten Ideen, die Chemnitzer Jugendliche zu dem Wettbewerb beisteuern könnten.
Bei all diesen Problemen geht es gar nicht so sehr um den “Stadt der Wissenschaft” Antrag, es geht vielmehr um die generelle Einstellung zu den Jugendlichen die noch in dieser Stadt leben. Bindet sie in die Entscheidungsprozesse ein, dann wird es vielleicht auch was mit dem “Stadt der Wissenschaft” Titel.
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